The Golden Heartlands

Da ich nach den Osterfeiertagen noch ein paar Tage Zeit hatte, habe ich mal eine kleine Tour in den Osten unternommen. Viele hielten mich für verrückt, da es dort sowieso nichts zu sehen gäbe, was ich aber nun nicht gerade bestätigen kann. Natürlich gibt es dort nicht wirklich die großen Touristenattraktionen, aber ich wollte schließlich auch mal Land und Leute kennenlernen und nicht nur die Touristenziele abklappern.
Die ersten 600km nach Osten von Perth aus ist von unendlich weiten Feldern geprägt, auf denen hauptsächlich Getreide angebaut und Schafzucht betrieben wird. Mehr ist wohl aus dem Land nicht rauszuhohlen, da es im Sommer sehr trocken ist. Alles ist vertrocknet und verdörrt, wenn die Regenzeit anfängt, verwandelt sich das Land total. Die ungenutzten Flächen verwandeln sich in ein Blütenmeer, da alle Wildblumen nun blühen. Als ich aber dort war, war alles nur sehr trocken. Eventuell werde ich nochmal rausfahren, wenn die Wildblumenzeit ist.
Die Gegend ist für australische Verhältnisse relativ dicht besiedelt. Alle 30-40km kann man hier eine "Kleinstadt" mit 300-500 Einwohnern finden. Die Farmer wohnen natürlich direkt auf ihren Höfen mitten im weitem Land. Sie bewirtschaften von dort aus ihren riesigen Landbesitz. Hier besitzen die Farmer Landflächen, die für europäische Verhältnisse unvorstellabr sind. 5000 Hektar (das sind 500 Millionen Quadratmeter) und mehr sind hier keine Seltenheit. Um das Land auch zu nutzen, grasen auf den Feldern eines Framers mehrere zehntausend Schafe.
Die Verluste, die die Farmer hierzulande durch nicht rechtzeitigen Regen aber auch einbüßen müssen, sind extrem hoch. Kommt der Regen nicht rechtzeitig, verenden Tausende Schafe, da sie einfach auf den Feldern verhungern. Ähnlich ist es mit dem Getreide: Fällt der erste Regen nach der Trockenzeit nicht rechtzeitig, muß man mit erheblichen Ernteausfällen rechnen.

Reiseroute:

Die blaue Linie ist die Route, welche ich gefahren bin. Der obere blaue Zipfel endet in Nungarin, der Ort ist in dieser groben Karte leider nicht mehr drauf. Die Zahlen an den Straßen sind die Kilometer zwischen zwei Pfeilen. Man kann sich also ein schönes Bild von den australischen Entfernungen machen.

Reisebericht:

Tag 1:
Nachdem ich meine gesamte Ausrüstung mal in´s Auto verladen hatte, konnte es losgehen. Zuerst bin ich auf dem Great Eastern Highway bis nach Meckering gefahren, welches im Jahr 1968 durch ein Erdbeben komplett zerstört wurde. Das Beben war so stark, das es den Boden an der Bruchstelle um über zwei Meter horizontal verschoben hatte und der Boden hatte sich um über eine Meter gehoben. Die Bilder der Eisenbahnstrecke sahen ziemlich nett aus. Auf der sonst schnurgerade Strecke war auf einmal alles verbogen und die Gleise hatten sich aus dem Gleisbett gehoben. Man sieht angeblich heute noch an einer Straße den horizontalen Versatz des Boden, nur hatte ich diesen Dank einer äußerst präzisen Beschreibung nicht wirklich gefunden.
Danach ging es weiter nach Cundergin. Dort gibt wie in fast jeder Stadt und Dorf in dieser Gegend auch ein Museum, welches ich mal besucht hatte. Das Museum ist in einer alten Pumpstation der Wasserversorgung für die Goldfelder bei Kalgoorlie untergebracht. Im letzten Jahrhundert wurde eine hunderte Kilometer lange Wasserpipeline gebaut, um die Stadt mit Wasser zu versorgen. Diese Pipeline ist heute noch immer in Betrieb, natürlich nur in einer etwas moderneren Variante. In dem Museum kann man sich dann auch die dampfbetriebene Wasserpumpe anschauen, welche das Wasser durch die Pipeline gedrückt hatte. Außerdem gibt es noch Bilder zu dem Erdbeben, den üblichen alten Haushaltskram aus der Umgebung und eine orginale Buschschule zu besichtigen. Im Freigelände gibt es dann noch eine Menge alter landwirtschaftlicher Maschinen zu besichtigen, die aber ziemlich vergammelt sind. Man muß sich nur die Bilder anschauen, dann weiß man, was ich meine.
Nachdem ich mit diesem Museum fertig war, fuhr ich weiter nach Merredin. Das ist schon eine relativ große Stadt mit 5000 Einwohnern. Dort findet man auch das in der südlichen Hemisphäre größte Lager für Weizen. Das Lager hat eine Kapazität von 220.000 Tonnen. Desweiteren gibt es dort ein hervorragendes kleines Eisenbahnmuseum, welche die Geschichte der örtlichen Bahnlinie erzählt. Es ist in dem alten Bahnhof aus dem Jahr 1893 untergebracht. Man kann dort das große Stellwerk anschauen, die Dampflok aus dem Jahr 1897 und die dazugehörigen Wagen, die im Bestzusatnd mit vollständiger Ausrüstung sind. Von den Museen, welche ich hier auf dem Land angeschaut angeschaut habe, war dieses das gepflegteste. Man muß aber fairerweise aber auch sagen, dass die vielen kleinen Museuen in den Dörfern mit unbezahlter Arbeit der Dorfbewohner betrieben werden, und das mit täglicher Öffnungszeit. Ich hatte mal in einem Museum mal gefragt, wieviele Besucher denn so kommen, und da war die stolze Antwort des es 2000 Besucher sind, wobei es immer mehr werden. Die 2000 Besucher sind natürlich pro Jahr, macht also im Schnitt nur 6 Besucher pro Tag, und dafür machen die den ganzen Tag das Museum auf! Sowas gäbe es wohl in Deutschland nicht.
Anschließend bin ich dann weiter nach Nungarin gefahren, da es dort ein kleines Militärmuseum gibt. Da es dort auch laut den Reiseführern einen Campingplatz gibt, wollte ich dort auf diesem Campingplatz übernachten. dieses "wollte" läßt schon andeuten, daß das wohl nicht so ganz funktioniert hatte, da die Campingplatzbetreiberin wohl keine Lust mehr hatte und den Campingplatz nur noch sporadisch öffnet, wie mir ein Einheimischer erzählt hatte. Er hatte mir aber dann angeboten, auf der Wiese des dorfeigenen Sportplatzes zu campen. Die sanitären Einrichtungen des dazugehörigen Clubhauses konnte ich auch gleich mitbenutzen. Ich hatte also nochmal Glück und gekostet hat es auch nichts.

Tag 2:
Am zweiten Tag habe ich erstmal mein ganzes Zeug wieder im Auto verstauen dürfen. Als das erledigt war, bin ich dann zu dem Museum in dem Dorf gefahren. Dieses Museum ist in einer alten Halle des ehemaligen Depots der australischen Armee untergebracht. Dieses Depot wurde von 1944 bis 1960 benutzt und es waren dort 4000 Mann stationiert. Als der Standort geschlossen wurde, wurde alles komplett abgebaut. Die Armee hat sogar alle Hallen und Gebäude abgebaut und mitgenommen. Das einzige Gebäude, welches heute noch steht, ist die Service-Halle des Depots. Man sieht noch überall die Spuren des Standortes. Von den Gebäuden sind noch die Bodenplatten vorhanden und die alten Versorgungsgleise sind auch noch vorhanden. Um sich das aber anzuschauen, muß man heute in den Busch, da alles überwuchert ist.
Das Museum selber wurde erst vor 10 Jahren eröffnet und enthält die ganzen Exponate aus der Umgebung. Man kann viele landwirtschaftliche besichtigen und die Überreste der Militärfahrzeuge. Diese Fahrzeuge und Panzer wurden nach dem zweiten Weltkrieg von den Farmer auf ihren Höfen benutzt. Die Panzer wurden für die Räumung von Land eingesetzt, man halt also an den Panzern mal eine große Schippe vorne drangeschweist, den ganzen unnötigen Krempel wie den Turm und oft den oberen Teil der Panzerung vom Panzer weggeschnitten (man hat also ein Cabriolet aus dem Panzer gemacht) und hat damit dann den ganzen Busch plattgemacht. Im Englischen wird das ganz passend mit "Farm-Clearing" bezeichnet. Entsprechend sehen dann aber auch die Reste der Panzer aus, die man überall auf den Farmen eingesammelt hat. Oft sind die Fahrzeuge in den letzten Jahrzehnten irgendwo auf dem Feld vor sich hingegammelt, bis man das Zeug mal an einem Platz zusammengetragen hat. Das Museum hat also noch viel Arbeit vor sich, bis sie wieder eine ganze Sammlung von gut restaurierten Fahrzeugen hat. Aber der Anfang ist schon gemacht.
Danach bin ich dann über Merredin weiter nach Westonia gefahren. Auf der Strecke nach Westonia habe ich dann die Linie passiert, auf der der "Rabbit Proof Fence" steht. Dieser kaninchensichere Zaun wurde im Jahr 1901 bis 1903 gebaut. Er verläuft von der Nordküste bis zur Südküste Australiens. Der Zaun hat eine Länge von 1837km und ist damit der längste Zaun der Welt. Der Zaun sollte damals die Kaninchenplage eindämmen, welche sich von Ost nach West ausbreitete. Das ist auf Dauer aber natürlich nicht gelungen. Heute gibt es immer noch so einen Zaun, dieser dient aber zur Abhaltung der Emus, die alle paar Jahre mal auf die Idee kommen, zu zehntausenden die Felder der Farmer plündern zu müssen.
Nachdem ich den Zaun passiert hatte, war ich dann in Westonia angekommen. Dort gibt es laut einem Reiseführer die Edna May Goldmine zu sehen. Erstamlig wurde sie eröffnet im Jahr 1911 und wurde 1922 geschlossen. 1935 ging sie dann wieder bis zum Jahr 1947 in Betrieb. Geschlossen wurde die Mine immer wegen Arbeitskräftemangel nach den zwei Weltkriegen. Dann wurde sie nochmal im Jahr 1985 aufgemacht, da man sich einen hohen Output versprach. Dummerweise war der Reiseführer hier nicht wirklich auf dem aktuellsten Stand, da die Mine 1991 wieder geschlossen wurde. Man hatte die Mine im Tagebau betrieben und war schon auf einer Tiefe von 250m angelangt, als man bei Probebohrungen bis zu einer Tiefe von 270m weniger Erz wie erwartet gefunden hatte. So schloß man diese Mine, nachdem sie seit dem Jahr 1985 über 274.000 Unzen Gold (1 Unze sind 28,35g) aus 4.48 Millionen Tonnen Erz gewonnen hatte. Pro Tonne Erz war im Durchschnitt 1,97g Gold enthalten, was relativ viel ist. So war also nur ein großes, leeres Loch zu sehen, welches halb mit Wasser gefüllt ist. Und um dieses Loch zu sehen bin ich 124km Umweg gefahren.
Dann bin ich wieder mal durch Merredin durchgefahren, um über Narembeen nach Hyden zu gelangen. Als ich dort dann ankam, habe ich mir erstmal einen Platz auf dem Campingplatz geholt, was dieses Mal sogar geklappt hatte. Als ich dann mein Zelt soweit aufgebaut hatte, nutzte ich noch das restliche Tageslicht, um noch einen ersten Eindruck vom Waverock zu ergattern. Der Waverock ist eine Felswand, welche hundert Meter lamg und 8-10m hoch ist. Durch die Erosion wurde der Fels so geformt, daß er nun aussieht wie ein sich gerade überschlagende Welle. Das ist schon ein krasser Anblick, wenn man davor steht. Durch diese besondere Form hat er dann auch seinen Namen bekommen, da Waverock nichts anderes heißt wie Wellenfels.

Tag 3:
Am nächsten Morgen kam erstmal das übliche Zusammenräumen und als das erledigt war, habe ich den Waverock mal genauer unter die Lupe genommen. Die eigentliche Welle hatte ich ja einen Tag zuvor schon gesehen, also bin ich jetzt mal auf dem Waverock hochgestiegen und habe mich mal do oben umgesehen. Man sollte gar nihct glauben, wie groß dieser Fels ist. Das Ding zieht sich über mehrere hundert Meter hin. Da bei einem Regen natürlich das Wasser auf der Oberfläche einfach wegläuft, haben die Australier einfach in einem Tal des Felses eine Staumauer hingesetzt und sammeln nun das Wasser, da Süßwasser in West-Australien schon immer ziemlich rar war und immer noch ist. Von dem Felsen hatte man eine tolle Aussicht in die nähere Umgebung. Man sieht von dort oben aus mehrere Salzseen und rundherum nur Buschland. Dabei ist das noch nicht mal die entlegenste Ecke Australiens, um selbst hier ist absolut nichts los. Als ich mich dann an der Landschaft sattgesehen hatte, bin ich wieder abgestiegen und bin zum 2km entfernten Hippo´s Yawn (Nilpferds Gähnen) gefahren. Dieser Fels sieht tatsächlich aus wie ein riesiges offenes Maul eines Nilpferds aus. Wenn man sich den Fels anschaut, meint man, daß das Maul sich jeden Moment schließen muß, da der Felshaufen nicht gerade einen stabilen Eindruck macht. Aber es hat die letzten paar tausend Jahre gehalten und ist auch nicht zusammengefallen, als ich da war. Was will man also mehr?
Anschließend bin dann wieder nach Perth zurückgefahren, was sich natürlich in die Länge zog, da es bis nach Perth circa 450km von Hyden aus sind. Die Route ging dann über Kondinin, Corrigin, Brookton, Beverly, York nach Perth. Während den drei Tagen bin ich dann ungefähr 1100km gefahren, und das war nur eine kleine Runde um Perth herum!

Bilder:

Da es zuviele Bilder sind, um sie alle auf einer Seite bei noch vertretbarer Ladezeit unterzubringen, gibt es hier jetzt die einzelnen Stationen einzeln anzuschauen:

Cunderdin:

Museum mit landwirtschaftlichen Maschinen

Merredin:

Museum über die regionale Eisenbahn

Rabbit Proof Fence:

Infos zum längsten Zaun der Welt

Nungarin:

Museum mit Militärfahrzeugen und ihren Überresten

Edna May Goldmine:

Ein großes Loch in der Erde, aus dem man viel Gold rausgeholt hat

Hyden:

Hyden ist bekannt für seinen Waverock und Hippo´s Yawn